GESPRÄCH MIT PROF. DR. MARTINA BREIDENBACH | Brustkrebs Therapie Köln - Brustgesundheit Köln
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„Als Kind erlebte ich den Brustkrebs als himmelschreiende Ungerechtigkeit. Seitdem setze ich alles daran, meinen Patientinnen in allen Formen und Stadien dieser Bedrohung zur Seite zu stehen.“

GESPRÄCH MIT PROF. DR. MARTINA BREIDENBACH

 

„Brustkrebs ist meine Berufung“

 

Warum ich? Es gibt wohl kaum eine Frau mit Brustkrebs, die sich nicht früher oder später diese Frage stellt. Ist Brustkrebs eine große Ungerechtigkeit?

 

Sicher ist er das. Brustkrebs hat nun wirklich niemand verdient. Und auch wenn klar ist, dass etwa zügelloser Alkoholkonsum, starkes Übergewicht und jahrelanger Bewegungsmangel Krebsarten wie den an der Brust fördern, ist Brustkrebs in erster Linie ein Schicksalsschlag, dem man nicht zuverlässig durch einen irgendwie besonnenen Lebenswandel entkommen könnte. Da ist so eine verzweifelte Klage mehr als verständlich.

 

Ist sie für Senologinnen und Senologen auch ein Ansporn?

 

Für mich auf jeden Fall. Ich bin sehr früh mit Brustkrebs in Kontakt gekommen. Meine Mutter erkrankte daran, als sie meinen kleinen Bruder stillte. Durch die Aufgabe, drei Kinder großzuziehen, hielt sie relativ lange durch, musste sich aber irgendwann der Krankheit geschlagen geben. Doch das hätte nicht der Fall sein müssen, wenn die Betreuung besser gewesen wäre. Als Zehnjährige sah ich darin eine himmelschreiende Ungerechtigkeit und reagierte darauf mit dem Wunsch Ärztin zu werden – eine Ärztin, die dafür sorgt, dass Betroffene dem Brustkrebs viel erfolgreicher die Stirn bieten können, als es meiner Mutter vergönnt war. In unserer Familie aus einfachen Verhältnissen hatten alle darüber gelacht, mein Vater wollte ja noch nicht einmal, dass ich Abitur mache – ich sollte mich um die Familie kümmern.

 

Aber Sie haben sich durchgesetzt …

 

Genau. Ich schaffte mein Medizin-Studium und begann darauf in den USA Public Health zu studieren mit dem Ziel, irgendwann die Rahmenbedingungen für Brustkrebs-Patientinnen verbessern zu können. Aber das erwies sich als Illusion. Nach einer Liebäugelei mit der Politik bin ich dann in den USA für zwei Jahre in die Wissenschaft gegangen. Das war eine gute und erfolgreiche Zeit, in der ich auch Preise für meine Arbeit erhielt. Allerdings vermisste ich meine Patientinnen. Mein Wunsch, direkt für sie da zu sein, wurde immer stärker, und so bin ich nach Deutschland zurückgekehrt. Seitdem widme ich mich dem Brustkrebs dort, wo er die größten Sorgen bereitet. Natürlich kann ich nicht allen Betroffenen helfen. Aber vielen.

 

Demnach ist es diese persönliche Verstrickung, die Sie als Senologin besonders auszeichnet?

 

Das kann man so sagen. Ich weiß nicht warum, aber seit dem Tod meiner Mutter ist mir der Krebs in meinem Privatleben immer wieder und in vielen Facetten begegnet. Darum sehe ich in meiner Beschäftigung mit dem Brustkrebs tatsächlich so etwas wie eine Lebensaufgabe. Vielleicht könnte man auch von einer Berufung sprechen.

 

Worin äußert die sich konkret?

 

In der enorm starken Bindung, die ich zu meinen Patientinnen besitze. Zwar bin ich eine leidenschaftliche Anhängerin der Schulmedizin und ihrer großen Fortschritte in jüngerer Zeit. Aber ich habe es immer mit Menschen zu tun. Deren Gefühle, deren Lebenssituation und deren soziales Umfeld muss man schon vor Augen haben, wenn man ihnen richtig helfen will. Beispielsweise ist es für den Behandlungserfolg durchaus wichtig zu wissen, ob eine Patientin drei kleine Kinder zu Hause hat oder nicht. Ob ihre Familie am Ort ist oder weit weg. Ob der Partner weiß, wie er seiner Frau jetzt am besten helfen kann oder ob er selbst unter Schock steht und mit der Situation überfordert ist, was übrigens sehr verständlich wäre.

 

Wenn sich jemand einer Aufgabe so sehr verschrieben hat wie Sie: Fasziniert Sie der Brustkrebs als Feind?

 

Ich würde ihn weniger als Feind, sondern eher als Gegenspieler bezeichnen, den wir immer besser verstehen lernen und der darum immer mehr Macht an uns abtreten muss. Und, ja: Dieser Machtzuwachs aufseiten der Medizin fasziniert mich tatsächlich sehr. Dazu gehört auch, dass ich immer wieder erlebe, wie Patientinnen stärker und selbstbewusster aus der Auseinandersetzung mit ihrem Brustkrebs hervorgehen und durch ihn einen neuen, tieferen und reiferen Blick auf ihr Leben entwickeln.